Die frühen neunziger Jahre

Die “goldenen Jahre”

Nach der Gründung im November 1991 konnte die Vereinsarbeit beginnen. Die komplette Organisation des Vereins wurde durch den Vorstand durchgeführt. Im Januar 1992 erfolgte die Festanstellung von Großmeister Phạm ngọc Quân. Dessen Aufgabe bestand darin, die sportliche Leitung des Vereins zu übernehmen und als Großmeister vorrangig auch repräsentative Aufgaben zu erfüllen.

Zur gleichen Zeit erhielt Meisterin Ute Phạm eine Festanstellung und wurde zur Vereinsvorsitzenden gewählt. Ihre Aufgaben bestanden in der Gesamtorganisation des Trainings, dem Training der Fortgeschrittenen, dem speziellen wettkampforientierten Training, dem Aufbau eines Vorführteams und der Koordination der Aufgaben des Großmeisters.

Durch den neu gegründeten Verein war es nun möglich, Turnhallen offiziell beim Sport- und Bäderamt zu beantragen. Der Verein bekam Trainingszeiten für ca. 10 verschiedene Turnhallen in ganz Ost-Berlin angeboten.

Anfang der 90er Jahre war die Mitgliedersituation des Vereins ausgesprochen gut. Man kann ohne zu übertreiben von den “goldenen Jahren” sprechen. Der Vorstand ermittelte im Dezember 1992 die Anzahl der Mitglieder um die Förderungswürdigkeit zu beantragen und kam dabei auf die aus heutiger Sicht unglaubliche Zahl von 643 Mitgliedern.

 

Turnhalle Dessauer Straße neunziger Jahre

Die Ursache für den starken Mitgliederzulauf ist hauptsächlich durch die erst wenige Jahre zurückliegende Wende in Deutschland zu erklären. Anfang der 90iger Jahre gab es kaum Kampfsportvereine mit asiatischen Stilen im Gebiet der neuen Bundesländer. In der DDR waren die meisten asiatischen Kampfsportarten verboten. Eine Ausnahme bildete lediglich Judo, welches in der DDR hauptsächlich als Leistungssport mit entsprechendem wettkampforientierten Kadersystem etabliert war.

Karate und Kung Fu waren in der DDR nicht erwünscht. Dadurch spielten diese Kampfsportarten nur im Untergrund eine Rolle. Vietnamesische Bürger gab es viele in der DDR, so dass an der einen oder anderen Stelle auch das traditionelle Kung Fu sich etablierte. Kung Fu war der damaligen Bevölkerung aus Kino und Fernsehen durchaus bekannt. Bruce Lee und Jackie Chan verkörperten die Helden, welche mit Faust, Fuß und Akrobatik unglaubliches vollbringen konnten und wenn nicht die Welt, dann wenigstens das Dorf vor den Bösen retteten.

Die Kampfsportvereine mit den entsprechenden asiatischen Stilen mussten nach der Wende erst gegründet werden und der Kunstkampfsport-Club e.V. war einer der ersten, zudem mit einem asiatischem Kung Fu Großmeister. Vor diesem Hintergrund kann man die damalige Situation durchaus nachvollziehen. Die Menschen stürzten sich geradezu auf das Neue und Exotische.

Meister Stefan Buchhorn erinnert sich an einen Montag im Jahre 1993 in der Turnhalle der Dessauer Strasse. Damals war er dort Übungsleiterhelfer. Der Vereinsvorstand hatte zwecks Mitgliederwerbung eine Anzeige im “Berliner Kurier” geschaltet. Was dann geschah, war typisch für die damalige Zeit und wird sich wohl in der Form auch nicht mehr so schnell wiederholen. Pünktlich zum Beginn des ausgeschriebenen Probetrainings standen vor der Halle ca. 35 Kinder. Wer die Dessauer Strasse noch persönlich kennt, weiß dass es durchaus größere Turnhallen gibt. Letztendlich standen die neuen Schüler in vier Reihen und jeder hatte gefühlt einen Quadratmeter Platz, um sich zu bewegen.

Die Organisation

Im November 1992 wurde zusätzlich Hannelore Hertel eingestellt. Die Aufgabe von Hannelore war hauptsächlich die Leitung des Vereinsbüros. Sie war Ansprechpartnerin für die Mitglieder bzw. die Eltern und konnte in sämtlichen organisatorischen Fragen weiterhelfen. Für die Übungsleiter und Mitglieder entwickelte sich Hannelore rasch zur guten Seele des Vereins.

Ab Ende des Jahres 1992, während des gesamten Jahres 1993 und bis in das Jahr 1994 hinein existieren sehr viele Dokumente und Protokolle. Dieser Umstand lässt vermuten, dass die Vereinsarbeit während dieser Zeit sehr intensiv betrieben wurde. Auch die inoffizielle Zahl von knapp 1000 Mitgliedern im Jahre 1993 lässt darauf schließen, dass in der Organisation des Vereins viel richtig gemacht wurde.

Das wichtigste Organ war damals der Vereinsvorstand um Meisterin Ute Phạm. Es fanden teilweise vierzehntägig Vorstandsversammlungen statt. Der Vorstand kümmerte sich um alle Probleme, welche im Verein auftraten. Das Büro des Vereins war ab 01.01.1993 in der Bouchestraße 6 in Berlin Treptow. Diese Geschäftstelle war eine untervermietete Fläche von 20 Quadratmetern in einem Geschäft. Das Büro war die feste Arbeitstelle von Hannelore.

Weiterhin wurde auf einer Vorstandsversammlung beschlossen, dass einmal im Monat eine Übungsleiterversammlung mit Anwesenheitspflicht stattfinden soll. Die besprochenen Punkte auf den ersten Übungsleiterversammlungen waren unter anderem Richtlinien für das Training in den Turnhallen, organisatorische Anweisungen wie das Erstellen einer Anwesenheitsliste und die Vorbereitung auf Wettkämpfe.

Die ersten Wettkämpfe

Im Jahr 1993 wurden zwei Vereinswettkämpfe durchgeführt. Der erste Wettkampf fand im “SFG” in Adlershof am 22. Mai statt. An diesem Wettkampf nahmen ca. 100 Vereinsmitglieder teil und 250 Zuschauer wurden gezählt. Motto der Veranstaltung war: “1. Großer Wettkampf Nam Hồng Sơn”. Bei diesem ersten Wettkampf wurden einige Erkenntnisse über den Ablauf gewonnen. Für den zweiten Wettkampf konnte damit die Organisation verbessert werden. Dazu zählten unter anderem der Plan des zeitlichen Ablaufs und die Aufstellung der Kampfrichter, Schreiber und Zeitnehmer.

 

Berliner Meisterschaften im Nam Hồng Sơn 1993 FEZ Wuhlheide

Eine interessante Änderung für den zweiten Wettkampf am 18.9.1993 (im FEZ Wuhlheide) war die Teilung des Wettkampfs in eine Berliner Meisterschaft und einzelne Vorentscheidungswettkämpfe in den Bezirken. Eine solche Organisation des Wettkampfs erinnert nicht mehr an eine Vereinsveranstaltung, sondern vielmehr an die Arbeit eines Landesverbandes. Durch die hohe Anzahl an Mitgliedern und Teilnehmern ist dies jedoch nicht verwunderlich.

Tatsächlich wurde zu dieser Zeit darüber nachgedacht, einen Dachverband zu gründen. Dazu wäre die Aufteilung des Vereins in 7 einzelne Vereine nötig gewesen. Die Organisation dafür wäre jedoch sehr aufwendig geworden.

Weitere Veranstaltungen im Jahr 1993 waren ein erstes Trainingslager in Vietnam und die Teilnahme an einem nationalen Wettkampf in Sindelfingen, an welchem Meisterin Ute Phạm und einige fortgeschrittene Schüler des Vereins erfolgreich teilnahmen.

 

 Wettkampf in Sindelfingen 1993 Sascha Nuß (links), Meisterin Ute Pham (vorne), Christoph Michael (rechts)

Am 14.05.1994 fand der dritte Vereinswettkampf satt. Dazu hielt Meisterin Ute Pham eine Rede. In dieser Rede wurden die Geschichte des Nam Hồng Sơn, die technischen Besonderheiten und der Anspruch auf das Erlangen eines starken Willens und guten Charakters erläutert. Meisterin Ute ging auch auf die breite Fächerung unseres Kung Fu Stils ein, welche es jedem ermöglicht, seinen eigenen Weg zu finden.

 

Trainingslager in Vietnam 1994

Vor allem wurde deutlich, dass Kung Fu weit mehr als eine reine Sportart ist und auch für Einige den Einstieg in die asiatische Philosophie darstellen kann. Am Ende wurden die Teilnehmer des Wettkampfes noch darauf hingewiesen, dass die Ergebnisse des Wettkampfes nicht überbewertet werden sollen, da er viel mehr der Verbesserung der eigenen Technik dient. Weiterer Höhepunkte des Jahres waren ein Trainingslager in Vietnam und ein weiterer Wettkampf am 22.10.1994 im FEZ Wuhlheide.

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Der Kunstkampfsport-Club e.V. aus Berlin.